Zum Weiterlesen

Regelmäßig versuchen wir hier interessierten Ehrenamtliche (und auch Hauptamtlichen) in der Seelsorge Linktipps und Leseempfehlungen zu Themen der Seelsorge zu geben.

Dezember 2016

  • "Gott ist mittendrin, da, wo die Wimperntusche in Streifen übers Gesicht fließt, und es geht ihm genauso beschissen wie uns allen."
    Mittendrin beim Lesen der Lebensgeschichte von Nadia Bolz-Weber habe ich an vielen Stellen gespürt, was Nadia Bolz-Weber glaubt: "Das Himmelreich, von dem Jesus immerzu sprach, ist hier. Ganz nah. Es ist jetzt. Wo immer Sie sind. Auf eine Art und Weise, wie Sie es nie erwarten würden."
    So in den Kapiteln, in denen sie von ihrem Weg von einer Alkoholikerin zu einer lutherischen Pastorin erzählt. Oder von den Menschen in ihrer schrägen Gemeinde des House for All Sinners und Saints, die aus schwulen, transgender, straffälligen, normalen, spießigen, obdachlosen, kaputten Menschen besteht. Oder von dem Dreck unter den Fingernägeln des Auferstandenen. Oder von ihrem Glaubensweg von einem moralisierenden Bild eines strafenden Gottes zu einem Glauben an Gott der "tatsächlich in unser chaotisches Leben eintritt und uns hindurchliebt, ob wir seine Hilfe wollen oder nicht."
    Gott kam mir in ihrem Buch nah. Er fordert heraus, in dem er unser altes Herz herausreißt, so dass richtiges Blut und richtige Liebe durch meinen Körper strömen. Er liebt, in dem er uns unsere Identität als Kinder Gottes gibt und "außer ihm dir niemand sagen darf, wer du bist."
    Zwischen den Kapiteln 'Ich habe dich nicht wegen diesem WahrheitsBullshit angerufen' und 'Eunuchen und Zwitter' schreibt sie in 'Klinische Seelsorgeausbildung' von ihrem KSA-Erfahrungen: "In Krankenhäusern und Bestattungsinstituten bekommt man eine Menge Unsinn zu hören. Gott hat seinen Plan, wie kennen ihn nur noch nicht. Vielleicht hat Gott deine Tochter zu sich genommen, weil er noch einen Engel im Himmel brauchte. Aber wenn ich einen Verlust erleide und so viel Schmerz empfinde, dass es sich anfühlt, als hätte es nie etwas anderes gegeben als diesen Schmerz, dann kann ich alles besser brauchen als irgendwelche wohlmeinenden, aber nichtssagenden Leute, die mir erzählen, wenn Gott einer Türe schließe, öffne er dafür ein Fenster. Am liebsten würde ich solche Leute dann fragen, wo genau dieses Fenster ist, damit ich sie packen und dort hinausschmeißen kann.
    Aber solcher Unsinn gedeiht prächtig in oberflächlicher Frömmigkeit. Meistens, wenn jemand so etwas sinnlos Optimistisches zu einem Trauernden sagt, geht es dabei gar nicht um den Trauernden, sondern um den, der es sagt. Entweder will diese Person gern das Gefühl haben, etwas Hilfreiches sagen zu können, oder sie kann es einfach nicht ertragen, sich mit der Endgültigkeit und dem Schmerz des Todes auseinanderzusetzen, und macht deshalb eine kitschige Grußkarte daraus. Zu mir sind solche Dinge schon gesagt worden, und ich war auch schon selbst diejenige, die sie gesagt hat. Doch als Seelsorgerin hatte ich das Gefühl, die Leute wollten eigentlich nur, dass ich größtenteils meine Klappe halte und mich der Realität stelle, wie weh das alles tut." Das ist so klar und so schmerzlich wie wahr.
    Und tröstlich ist das Buch von Nadia Bolz-Weber auch noch, denn sie schreibt auch von ihren Misserfolgen "und ich merkte, dass wir manchmal nichts Besseres füreinander tun können, als ehrlich davon zu erzählen, was wir schon alles falsch gemacht haben."

 

 

August 2015

  • Die Fokussierung von SeelsorgerInnen und Seelsorgelehre auf das 'tiefgehende' Gespräch hat die Seelsorge in der Gemeinde vergessen. Wolfgang Drechsel wertschätzt mit seinem Buch 'Gemeindeseelsorge' die Chancen und die Herausforderungen von u.a. Hausbesuchen, Geburtstagsbesuchen und Seelsorgegesprächen bei Gelegenheit. Wenn auch manche Frontstellung überzeichnet scheint, ist das Buch ein Geschenk, durch das die Vielfalt und Potientiale seelsorglicher Begegnungen in der Gemeinde wiederentdeckt werden können. Hierbei sind thematisch auch immer wieder Ehrenamtliche in der Seelsorge im Blick, wenn auch nicht immer sprachlich. Insbesondere das Kapitel zum 'Hausbesuch' (6.2.2) ist ein Gewinn für alle in Gemeindebesuchsdienste Engagierte.

Januar 2015

  • Ein erschütterndes Buch zur Theodizee-Frage "Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung" hat Esther Maria Magnis geschrieben. Erschüttert wird ihr Leben als Jugendliche vom Tod ihres Vaters: Warum lässt Gott zu, dass Menschen leiden? Diese Erschütterung brandet an ihren Glauben mit Gefühlen der Wut und mit drastischen, harten Gedanken und Bildern. Und doch bleibt ihr "nur noch Gott". Dieses Buch erschüttert den Leser/ die Leserin bis ins Innerste - und tröstet.

August 2014

  • Susanne Breit-Keßler schreibt in chrismon 08/2014 eine Kolumne über 'Tränen sehen und zählen' und gibt eine berührende Beschreibung, wie Seelsorge berühren und verändern kann. Mehr...

Juli 2014

  • "Besuchsdienst ist eigentlich immer auch Seelsorge - in unterschiedlichster Form" will das Heft der missionarischen Dienste der Evangelischen Kirchen von Westfalen und im Rheinland darlegen - mit einer biblischen Grundlegung, einer hilfreichen theoretischen Darlegung des Seelsorge-Tuns von Besuchsdienstmitarbeitenden und einem Ausblick auf eine seelsorgliche Gemeinde. Das Heft aus der Reihe 'Besuchen und Finden', die auch sonst sehr empfehlenswerte Ausgaben hat, findet sich hier.