Kontakt zu älteren Menschen unter "Corona-Bedingungen" - Abgestimmtes gemeinsames Schreiben des "Runden Tisch Besuchsdienst"

Der "Runde Tisch Besuchsdienst" in der Evangelischen Landeskirche Württemberg wendet sich mit diesem Rundschreiben an die Verantwortlichen in Kirchengemeinden und Einrichtungen.

Wir nehmen trotz Corona-Lockerungen einen anhaltenden Bedarf wahr, den Kontakt zu älteren Menschen in Gemeinden und Einrichtungen in diesen Zeiten aufrecht zu erhalten und sogar verstärkt zu suchen. Dies könnte noch einige Wochen so sein.

Wir hören von vielen wunderbaren Initiativen und Ideen in diesem Zusammenhang und möchten Sie bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen.

So haben wir Anregungen und praktische Tipps für sie gesammelt und aufgelistet, an welche Stellen Sie sich wenden können.

Das Corona-Virus stellt uns vor schwierige Aufgaben: Um ältere Menschen – und uns – zu schützen, müssen wir Abstand halten. Um mit den belastenden Folgen dieser Schutzmaßnahmen gut leben zu können, müssen wir in Kontakt bleiben.

Abstand halten und Kontakt gestalten – beides ist lebensnotwendig!

Für Ihre wichtigen Aufgaben vor Ort wünschen wir Ihnen viel Kraft, viele gute Ideen und auch Freude an den Begegnungen!

1. Folgende Einrichtungen und Homepages können Ihnen bei Fragen rund um Besuche, Ideen für Kontaktmöglichkeiten usw. weiterhelfen:

 

2. Folgende Ideen/Modelle können wir empfehlen:

  • Telefonbesuche, Telefonketten: Ehrenamtliche, die gerade nicht viel unterwegs sein wollen, können auch per Telefon ihre Besuchsdiensttätigkeit weiterführen – in Gemeinden, Pflegeheimen und betreutem Wohnen
  • Seelsorge in Altenpflegeheimen: Die Handreichung AltenPflegeHeimSeelsorge in veränderten Zeiten enthält viele praktische Hinweise für die Seelsorge in Pflegeeinrichtungen
  • Briefe schreiben: Einen Brief vom Pfarrer, Konfirmand/innen bitten, einen Brief zu schreiben für eine ältere Person in der Gemeinde – kopieren und verteilen lassen!
  • Gottesdienst, Andacht schriftlich: Postkarten in Bäume hängen, Predigten an Wäscheleinen hängen
  • Fernsehgottesdienste: Lieder im Internet vorher ausdrucken, bei interessierten älteren Menschen einwerfen, die kein Internet haben
  • Singen: Gemeinsames Abendsingen, sonntägliches Singen vor dem Balkon von Betreutem Wohnen, Gartensingen, Singen am Fenster des Seniorenheims oder Fensterbegegnungen
  • Räume, z.B. von Tagespflegen, die aktuell leerstehen für Gespräch mit Heimbewohner/innen nutzen
  • Video-Online    -Kontakte von Heimbewohner/innen organisieren, z. B. mit festen Terminen über den Sozialdienst. 
  • Manche können auch online-Gesprächsformate und Videochats wahrnehmen
  • Bastelaktionen mit Eltern von Eltern-Kind-Einrichtungen: Kinder können Glückssteine bemalen und vor dem Pflegeheim auslegen, Blumen einpflanzen für Pflegeheim, Bilder malen, Bilder auch einscannen und ans Heim mailen.
  • Ehrenamtliche, die nicht mehr vor Ort gehen, können basteln, backen und nähen, Karten verteilen
  • Luftballons steigen lassen mit Postkarten, die an die Einrichtungen adressiert sind.
  • Tüten zusammenstellen: "Seniorennachmittag to go". Kuverts/ Tüten mit einer Andacht, etwas zu einem Thema, Rätsel o.ä.  richten und in einer Box vors Gemeindehaus stellen - oder evt. an eine Leine hängen (je nach Wetter). Und dann (zeitweise) selbst vor Ort sein, wenn die Senioren sich eine Tüte holen. Oder „kleine Andenken“ vorbeibringen. (hierbei Hygienevorschriften beachten…)
  • Geburtstage: Statt Besuche Besuchsdienstmitarbeitende anrufen lassen. Geburtstagskarten einwerfen, Rückrufmöglichkeit erwähnen. 
  • Gespräche über den Gartenzaun: beim Einwerfen der Geburtstagskarte oder vorher anrufen und einen „Gartenzauntermin“ vereinbaren. Einkäufe mit Balkongesprächen verbinden
  • Ein Preisausschreiben: Auffordern, Geschichten aus dieser besonderen Zeit aufzuschreiben oder: "Ich bleibe zu Hause und mach eine Pause"
  • Ehrenamtliche gewinnen, die Angehörige bei Besuchen in Einrichtungen begleiten und informieren, worauf zu achten ist.

Weitere Vorschläge, auch digitale Formate finden Sie auch hier:

Kontakt:

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne an die Mitglieder des Runden Tisch Besuchsdienst:

09. Juni 2020

Osterkörbchen für die Mitarbeitenden im Krankenhaus

Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Besuchsdienst der Klinikseelsorge am Klinikum Gesundbrunnen in Heilbronn haben Osterkörbchen für die Mitarbeitenden im Krankenhaus gepackt. Pfarrer Siegfried Fischer schreibt im Namen der Klinikseelsorge in seinem Dankeschön an die Ehrenamtlichen:

"Das ist wirklich unglaublich, was da geschehen ist. Über 150 Körbchen sind hier eingetroffen. Danke auch allen!

Das tut uns allen so unheimlich gut. Das ist nicht einfach nur ein bisschen Schokolade nett verpackt, das ist viel mehr. Mitdenken, mithelfen, Zeichen setzen, anderen den Rücken stärken, miteinander gegen eine sich ausbreitende  Sprachlosigkeit angehen, „berühren“ auf eine neue Weise, ja Liebe schenken, Seelsorge ganz anders – oder einfach: OSTERN ankündigen. Aufstehen gegen den Tod, gegen die Not, gegen die Einsamkeit, verbunden sein mit denen, die täglich hier in der Klinik um das Weiterleben ihrer Patienten kämpfen. Und auch mit vielen verbunden, die an so vielen Orten dieser Erde unter manchmal noch viel schwierigeren Bedingungen sich für das Leben anderer einsetzen. 

Vielleicht sagen Sie: wir können gerade gar nicht so viel tun. Doch  - Sie tun damit genau das Richtige. Sie helfen uns. Wir wissen, dass ihr innerlich mit den Menschen hier in der Klinik verbunden seid. Viel mehr oft als andere. Das ist jetzt Ihre Seelsorge!  Und irgendwann werden Sie auch wieder vor Ort mit dabei sein."

Unerwartete Postkartengrüße

Im Besuchsdienst für Jubilare habe ich in den vergangenen Jahren sehr viele Menschen wiederholt besucht.

Natürlich wachsen dabei auch andere Beziehungen und Verbindungen als bei einem einmaligen Geburtstagsbesuch. Unabhängig davon, dass ich jetzt ja sowieso umgezogen bin, und nicht mehr für diese Besuche zuständig wäre, habe ich vor drei Wochen angefangen, Postkarten-Grüße in die Häuser der alten Menschen zu schicken. Ich bin selber überwältigt von den vielen Reaktionen, die da zurückkommen!!!

Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, auf den Karten nur meinen Namen, nicht meinen Absender oder eine Telefonnummer zu hinterlassen. Trotzdem machen sich sehr viele der mit einer Karte Beschenkten auf die Suche nach meiner Telefonnummer, um sich bei mir dafür zu bedanken.  Die Freude über einen ganz unerwarteten Gruß, der nichts mit dem Geburtstag zu tun hat aber eben gerade jetzt, in dieser Situation des Abgeschottet-Seins,  scheint riesig zu sein. Ich kann nur sagen, dass diese Freude unweigerlich auf den Karten-Schreiber zurückfällt! Und mir fallen noch viele Menschen ein, die ich beglücken kann.

Bärbel Püngel, Besuchsdienst in Stuttgart-Dürrlewang

Verbundenheit durch Telefonate mit der Nachbarschaft

Bei uns in der Gemeinde wurden alle älteren Gemeindeglieder ab 80 Jahren von einem Kreis von Freiwilligen angerufen. Wir haben gesagt, dass wir im Auftrag des ´Pfarrers und der Kirchengemeindeanrufen und nachfragen wollten, wie es ihnen ginge und ob sie in irgendeiner Weise Hilfe benötigten. Alle - soweit ich das auch von anderen mitbekommen habe - haben sich sehr gefreut und waren dankbar für die Nachfrage. Die meisten sind gut versorgt durch Kinder, Nachbarschaft oder Hausgemeinschaft. Trotzdem ergab sich so manches Gespräch, das mich überrascht hat.

Da ich für die Menschen in meiner Straße eingeteilt war, habe ich auf diese Weise meine Nachbarn kennengelernt und konnte mich anhand meiner Adresse auch ein bisschen vorstellen. Das hat schon eine gewisse Verbundenheit geschaffen.

Diejenigen, von denen wir keine Telefonnummer herausbekommen konnten, werden nun noch angeschrieben und die Leiterin der Begegnungssstätte möchte auch bei Menschen, die sich selbst versorgen, nach einer gewissen Zeit nochmals nachhaken. ich finde wichtig, dass deutlich wird, dass über diesen Anruf hinaus auch weiter Hilfe angeboten wird. Bestenfalls ist durch diese erste Kontaktaufnahme eine gewisse Hemmschwelle genommen.

Sonja Ströhle, Neuzugezogenenbesuchsdienst in Stuttgart-Wangen